
Neue Fotoinstallationen, Neonarbeiten und Objekte
Ausstellung vom 11. April - 31. Mai 2008
Sergej Alexander Dott zeigt in seinen aktuellen Arbeiten "Madonnen der Neuzeit". Fernab jeder frühchristlichen Interpretation, geht es vielmehr um die bildliche Darstellung zeitgenössischer Frauen bei der Arbeit. Dotts ikonenhafte Darstellungen sind demnach keine Porträts, sondern folgen ihrer eigenen Typologie und Symbolik. Begreift man den Begriff der "Ikone" als Abbild ihrer Kultur oder der Gesellschaft, die sie umgibt, dann lässt sich ihr Kontext aus kultureller Perspektive immer wieder neu definieren, begreifen und verwerfen. Unbefangen posieren und kokettieren die Modelle in teils pompöser Kostümierung und erinnern an Delacroixsche Boudoir-Szenen um 1900.
Der Künstler vermag es, ein beliebiges Sujet in ein ikonenhaftes Bild zu verwandeln, wobei Form und Inhalt Inhalt mitunter ganz unterschiedliche Botschaften transportieren. Die durch und durch profanen Sujets kontrastiert er mit ästhetisch-formalen Aspekten, die weit mehr an eine frühchristliche Darstellungsweise erinnern, als diese inhaltlich vermuten ließen. So sind seine ikonenhaften Bildnisse teils in die klassische Form des Triptychons eingebettet, andere werden rahmenlos auf Holz gezogen und spielen damit auf die Nähe zum altertümlichen Tafelbild an. Die ergänzenden Neonschriftzüge, symbolhaft und paradox zugleich, führen diese Zuordnung wiederum ad absurdum.
Die "Agora" - im antiken Griechenland die Versammlung oder der zentrale Versammlungsort des Volkes, wird so bei Sergej Dott zum Tummelplatz der unterschiedlichen Künste. Obgleich sich Dott ständig zwischen den Künsten bewegt, diese verbindet und neu erfindet, ist es letztlich die Kombination aus handkolorierter schwarzweiß Fotografie und Neonröhren, die sich in seinem Oeuvre immer wieder finden. Beinahe andächtig wirken die Figuren Dotts, die er auf absurd-komische Weise inszeniert. Durch seinen spielerischen Umgang mit ganz unterschiedlichen Milieus - teils gesellschaftlich tabuisiert, entschärft er die Wirklichkeit und lässt eine leichte Heiterkeit aufkommen.
Sergej Alexander Dott ist 1959 in Berlin geboren, Studium der Bildhauerei an der HfbK Dresden, Kunsthochschule Berlin-Weißensee und Wien, Meisterklasse Alfred Hrdlicka. Seit 1990 zahlreiche Projekte im öffentlichen Raum: 1999 Fassadenprojekt "KUHUUNST", Kollwitzstraße, 2003 "Himmelsblumen", Rosen am Potsdamer Platz, 2004 Neonfassade "Wilde Natur", 2006 Fassadengestaltung Berlin-Weißensee, Obersteiner Weg.

 Hier, in der Galerie Rossella Junck, erwartet den Kunst-Flaneur die Agora, der Markt, Kult- und Versammlungsplatz im antiken Griechenland. Als Schöpfer der Fotoinstallationen, Neonarbeiten und Objekte dies Ortes wird Sergej Alexander Dott genannt, und das lässt Erwartung keimen.
Mitten im Raum steht ein schwarzes Ross, auf dem ein violettes Gerippe kniet, ein zweites ist wie ein Sack darüber geworfen. Dott erklärt: "Ich war gerade in Mexiko, wo ich mit Oliver Zabel ein gemeinsames Projekt vorstellte. Die Konfrontation mit dem Totenkult dort hat diese Arbeit ausgelöst. Das ist beeindruckend, wie die mit dem Tod ganz anders umgehen." Gerippe alleweil, auch als Zuckerzeug für die Kleinen und dazu Mariachi-Musik. "Ich habe gleich nach der Rückkehr mit der Arbeit begonnen. Die Gerippe stammen aus dem Schulbedarf, ich habe sie violett gefärbt, weil mir weiß auf dem schwarzen Pferd zu krass erschien." Ringsum an den Wänden zwei Objekte, die auf den ersten Blick an Altarbilder erinnern. Preise: 350 bis 8000 Euro. ZBV
Auguststraße 28; bis 31.5. Di-Sa 13-19 Uhr.
Artikel in "Die Welt" vom 16. Mai 2008

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